Nach Einschätzung von Laborfachleuten entsteht der Großteil fehlerhafter Untersuchungsergebnisse nicht im Analysegerät, sondern bereits vor der Probenentnahme: durch Mahlzeiten, Kaffee, Sport, Nahrungsergänzungsmittel, eine schlaflose Nacht oder einen ungünstig gewählten Untersuchungszeitpunkt. Wer sich nicht richtig auf eine Untersuchung vorbereitet, kann Laborwerte erhalten, die auf eine Erkrankung hindeuten, obwohl lediglich ein präanalytischer Störfaktor vorliegt. Umgekehrt können solche Einflüsse auch ein tatsächlich bestehendes Gesundheitsproblem verschleiern. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Regeln zur Vorbereitung auf häufige Blut- und Urinuntersuchungen, geordnet nach den Faktoren, die die Ergebnisse tatsächlich beeinflussen. Die allgemeinen Empfehlungen gelten auch für die Labornetzwerke ALAB laboratoria und ETER-MED. Für spezielle Untersuchungen kann das jeweilige Labor zusätzliche Anforderungen festlegen.
Was bedeutet „nüchtern“?
Nüchtern bedeutet, dass Sie 8–12 Stunden vor der Untersuchung nichts essen und außer Wasser keine Getränke zu sich nehmen. Die letzte Mahlzeit sollten Sie möglichst bis 19:00 Uhr einnehmen. Sie sollte leicht sein und weder übermäßig viel Fett noch Alkohol enthalten. Am Morgen dürfen Sie ein Glas stilles Wasser trinken. Das ist sogar empfehlenswert, denn Flüssigkeitsmangel führt zu einer Hämokonzentration und kann die Blutentnahme erschweren. Nicht erlaubt sind Kaffee und Tee (auch ungesüßt), Säfte, Kaugummi, Zigaretten und Lutschpastillen. Auch eine zu lange Nahrungskarenz von mehr als 14–16 Stunden kann die Ergebnisse verfälschen: Sie kann Bilirubin und Harnsäure erhöhen und den Glukosespiegel senken.
Für welche Untersuchungen sollten Sie nüchtern sein? Glukose – Laboruntersuchung, Insulin – Laboruntersuchung, Lipidprofil (Fettstoffwechselprofil, Cholesterin) – Laboruntersuchung (Cholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride), Eisen – Laboruntersuchung, Leberwerte, Phosphat, Harnsäure, Homocystein, Vitamin B12 – Laboruntersuchung und die meisten Hormonuntersuchungen. Bei welchen Untersuchungen ist Nüchternheit normalerweise nicht erforderlich, kann aber die Vergleichbarkeit verbessern? Blutbild, C-reaktives Protein (CRP), Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), Thyreotropin (TSH) – Laboruntersuchung, Kreatinin – Laboruntersuchung, Elektrolyte, Vitamin D3 (25 OH) – Vitamin D, glykiertes Hämoglobin (HbA1c), Antikörperbestimmungen und serologische Untersuchungen.
Die richtige Tageszeit
Viele Laborparameter unterliegen einem Tagesrhythmus. Eisen, Cortisol, Testosteron, TSH und Prolaktin weisen morgens häufig höhere Konzentrationen auf. Eine Untersuchung am Nachmittag kann deshalb auch bei gesunden Menschen Werte unterhalb des Referenzbereichs ergeben. Üblicherweise erfolgt die Blutentnahme zwischen 7:00 und 10:00 Uhr. Werden Untersuchungen zur Verlaufskontrolle wiederholt, sollten sie möglichst immer zur gleichen Tageszeit stattfinden.
Körperliche Anstrengung
Intensives Training innerhalb von 24–48 Stunden vor einer Blutuntersuchung kann die Werte von Kreatinkinase (CK), Aspartat-Aminotransferase (AST) – Laboruntersuchung, Alanin-Aminotransferase (ALT) – Laboruntersuchung, Laktatdehydrogenase (LDH), Kreatinin – Laboruntersuchung, Harnsäure, Leukozyten, Ferritin – Laboruntersuchung und C-reaktivem Protein (CRP) erhöhen. Gleichzeitig kann die Hämoglobinkonzentration durch eine Zunahme des Plasmavolumens sinken. Auch die Eiweißausscheidung im Urin kann beeinflusst werden. Am Tag vor der Untersuchung sind Spaziergänge erlaubt, auf Fitnessstudio und lange Laufeinheiten sollten Sie dagegen verzichten. Am Untersuchungstag sollten Sie nicht unmittelbar nach einer Fahrradtour zur Blutentnahme erscheinen. Bereits 15 Minuten ruhiges Sitzen vor der Probenentnahme helfen, die Messergebnisse zu stabilisieren.
Alkohol
Alkoholkonsum innerhalb von 2–3 Tagen vor der Untersuchung kann Triglyzeride, Gamma-Glutamyltransferase (GGT, GGTP) – Laboruntersuchung, Alanin-Aminotransferase (ALT) – Laboruntersuchung, Harnsäure und das mittlere Erythrozytenvolumen (MCV) erhöhen, den Glukosespiegel senken und den Elektrolythaushalt beeinflussen. Vor der Bestimmung des Lipidprofils und der Leberwerte sollten Sie mindestens 3 Tage auf Alkohol verzichten. Bereits ein einmaliger übermäßiger Alkoholkonsum am Vorabend kann zu einer Verdoppelung der Triglyzeridwerte führen.
Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
Regelmäßig eingenommene Medikamente, beispielsweise gegen Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder Herzerkrankungen, dürfen Sie nicht ohne ärztliche Rücksprache absetzen. Klären Sie jedoch vorher, ob Sie die jeweilige Dosis vor oder nach der Blutentnahme einnehmen sollen. Levothyroxin wird bei einer Blutentnahme zur TSH-Bestimmung üblicherweise erst nach der Probenentnahme eingenommen. Für Nahrungsergänzungsmittel gelten folgende Empfehlungen:
- Biotin (Präparate für Haare und Nägel, hoch dosierte B-Vitamin-Präparate) kann die Bestimmung von Schilddrüsenhormonen, Troponin, Vitamin D und zahlreichen weiteren immunchemischen Laborparametern verfälschen. Die Einnahme sollte 2–3 Tage vor der Untersuchung pausiert werden, bei sehr hohen Dosierungen gegebenenfalls eine Woche.
- Eisen: Vor der Bestimmung des Serumeisens und der Transferrinsättigung wird eine Einnahmepause von 24–48 Stunden empfohlen.
- Vitamin D, B12, Magnesium und Zink: Nehmen Sie Ihre morgendliche Dosis erst nach der Blutentnahme ein. Bei der Überprüfung des Erfolgs einer Nahrungsergänzung kann der Arzt eine Einnahmepause von 1–2 Tagen empfehlen.
- Kreatin kann den Kreatininwert erhöhen. Informieren Sie deshalb bei der Anamnese über die Einnahme.
- Aspirin, Ibuprofen und gerinnungshemmende Medikamente: Setzen Sie diese Arzneimittel nicht eigenständig ab. Informieren Sie jedoch vor Gerinnungsuntersuchungen und Thrombozytenbestimmungen über die Einnahme.
Schlaf, Stress und Infektionen
Eine schlaflose Nacht kann Cortisol, Glukose und die Leukozytenzahl erhöhen. Stress unmittelbar vor der Blutentnahme, beispielsweise durch Angst vor Nadeln oder Zeitdruck, kann zu höheren Prolaktin-, Cortisol- und Glukosewerten sowie zu einem Anstieg des Blutdrucks führen. Auch eine leichte Infektion innerhalb der letzten 2 Wochen kann C-reaktives Protein (CRP), Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), Ferritin und Leukozyten erhöhen sowie TSH, Eisen und die Thrombozytenzahl senken. Reine Vorsorgeuntersuchungen sollten Sie möglichst erst 2 Wochen nach einer überstandenen Infektion durchführen lassen. Kontrolluntersuchungen während einer Erkrankung erfolgen nach ärztlicher Anweisung.
Hormonuntersuchungen: zusätzliche Vorbereitung
Prolaktin – Laboruntersuchung: morgens, nach 30 Minuten ruhigem Sitzen; am Vortag sollten Sie auf Geschlechtsverkehr und Bruststimulation verzichten. Cortisol im Serum – Laboruntersuchung: zwischen 7:00 und 9:00 Uhr, nach 15 Minuten Ruhe. Testosteron – Laboruntersuchung bei Männern: zwischen 7:00 und 10:00 Uhr, nach einer erholsamen Nacht; ein niedriger Wert muss immer durch eine zweite Messung bestätigt werden. FSH, LH und Estradiol – Laboruntersuchung bei Frauen: am 2.–5. Zyklustag; Progesteron: etwa 7 Tage vor der erwarteten Menstruation. Thyreotropin (TSH) – Laboruntersuchung: an jedem Zyklustag möglich, vorzugsweise morgens.
Allgemeine Urinuntersuchung und Urinkultur
Verwenden Sie möglichst die erste Morgenurinprobe aus dem Mittelstrahl. Reinigen Sie zuvor den Bereich um die Harnröhrenöffnung mit Wasser, ohne Desinfektionsmittel zu verwenden. Fangen Sie den Urin in einem sterilen Probenbehälter aus der Apotheke auf und bringen Sie ihn innerhalb von 2 Stunden ins Labor. Alternativ kann die Probe bis zu 4 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden. Während der Menstruation sowie 2 Tage davor und danach sollte die Untersuchung möglichst nicht durchgeführt werden. Vermeiden Sie am Vortag starke körperliche Anstrengung, Rote Bete (kann den Urin verfärben) und hohe Vitamin-C-Dosen (können Urinteststreifen verfälschen). Für eine Urinkultur gilt dieselbe Entnahmetechnik. Die Probe muss jedoch vor Beginn einer Antibiotikatherapie gewonnen werden.
Oraler Glukosetoleranztest (OGTT)
In den 3 Tagen vor dem Test sollten Sie sich normal ernähren und täglich mindestens 150 g Kohlenhydrate aufnehmen. Eine kohlenhydratarme Ernährung kann das Ergebnis verfälschen und fälschlicherweise auf Diabetes hindeuten. Erscheinen Sie morgens nach 8–12 Stunden Nahrungskarenz zur Untersuchung. Rauchen und Kaffee sind nicht erlaubt. Der Test dauert etwa 2 Stunden. Während dieser Zeit dürfen Sie weder essen noch trinken, im Gebäude umhergehen oder rauchen. Bleiben Sie ruhig im Wartebereich sitzen. Wenn Sie nach dem Trinken der Glukoselösung erbrechen müssen, informieren Sie das medizinische Personal, da der Test dadurch ungültig wird.
Kinder und Säuglinge
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine vollständige Nahrungskarenz wie bei Erwachsenen weder erforderlich noch sicher. In der Regel genügt ein Abstand von 3–4 Stunden zur letzten Mahlzeit beziehungsweise Still- oder Flaschenmahlzeit, sofern der Arzt nichts anderes empfiehlt. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Flüssigkeit erhält und möglichst entspannt bleibt. Viele Blutentnahmestellen bieten besondere Untersuchungszeiten oder speziell eingerichtete Entnahmeplätze für Kinder an.
Checkliste für den Abend vor der Untersuchung
- Letzte Mahlzeit bis 19:00 Uhr: leicht und gut verträglich; seit 3 Tagen kein Alkohol.
- Heute und morgen früh kein intensives Training.
- Biotin und Eisen entsprechend den oben genannten Empfehlungen pausiert.
- Blutentnahme zwischen 7:00 und 10:00 Uhr eingeplant, einschließlich 15 Minuten zusätzlicher Ruhezeit.
- Ausweisdokument und Kaufbestätigung der Untersuchungen (Code oder E-Mail) bereitgelegt.
- Bei einer Urinuntersuchung: Probenbehälter aus der Apotheke und Entnahme der Morgenurinprobe eingeplant.
- Am Morgen: ein Glas Wasser trinken, regelmäßig benötigte Medikamente entsprechend der ärztlichen Absprache einnehmen, Schilddrüsentablette erst nach der Blutentnahme.
Nach der Blutentnahme empfiehlt es sich, zu frühstücken und nicht unmittelbar danach intensive körperliche Belastungen einzuplanen. Die Ergebnisse der meisten grundlegenden Laboruntersuchungen sind noch am selben oder am folgenden Tag online verfügbar. Bei Hormonuntersuchungen und speziellen Laboranalysen kann die Bearbeitung mehrere Tage dauern.
Laboruntersuchungen online bestellen, Blutentnahme an einem Standort Ihrer Wahl – ohne ärztliche Überweisung und ohne vorherigen Arzttermin:
- Paket mit grundlegenden Blutuntersuchungen – Blutbild, Allgemeine Urinuntersuchung, BSG, Glukose – Laboruntersuchung, Cholesterin, Alanin-Aminotransferase (ALT) – Laboruntersuchung
- Erweitertes Untersuchungspaket – umfassende Vorsorge: Elektrolyte, Lipidprofil (Fettstoffwechselprofil, Cholesterin) – Laboruntersuchung, Leberwerte und weitere Parameter
- Vorsorgepaket für Gesundheitsbewusste
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Häufig gestellte Fragen
Darf ich vor der Blutuntersuchung ungesüßten Kaffee trinken?
Nein. Koffein kann Glukose, Cortisol und freie Fettsäuren erhöhen. Kaffee kann außerdem die Werte des Lipidprofils beeinflussen. Wasser ist das einzige erlaubte Getränk.
Ich habe am Abend eine fettreiche Mahlzeit gegessen. Sollte ich die Untersuchung verschieben?
Bei der Bestimmung des Lipidprofils und der Leberwerte ist es sinnvoll, die Untersuchung um einen Tag zu verschieben. Ein Blutbild sowie die Bestimmung von Thyreotropin (TSH) – Laboruntersuchung oder Kreatinin – Laboruntersuchung können dagegen durchgeführt werden.
Brauche ich für Blutuntersuchungen ohne Überweisung einen Arzttermin?
Nein. Online gekaufte Laboruntersuchungen können Sie direkt an einer Blutentnahmestelle durchführen lassen. Sie benötigen lediglich ein Ausweisdokument. Eine ärztliche Überweisung und ein vorheriger Arztbesuch sind nicht erforderlich.
Quellen
- Simundic AM et al., EFLM Working Group for Preanalytical Phase, Clin Chim Acta, Standardization of collection requirements for fasting samples, 2014. eflm.eu
- Simundic AM et al., Clin Chem Lab Med, Joint EFLM-COLABIOCLI Recommendation for venous blood sampling, 2018. degruyterbrill.com
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